Kunst wird zu Musik: Jorinde Voigt im Hamburger Bahnhof

26.10.2016, Events Kultur Kunst
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Jorinde Voigt verknüpft Beethoven mit Luhmann, malt Gedankengänge Lacans und übersetzt Krach in feine Zeichnungen. Die Künstlerin arbeitet über die Grenzen eines künstlerischen Mediums genauso hinweg wie über fächerspezifische Trennlinien. Ihre Werke hängen in den großen Museen der Metropolen – ab Freitag auch in Berlin.

Während der Ausstellung Scores im Hamburger Bahnhof kann man an drei Abenden Bildende Kunst in musikalischen Aufführungen hören. Unter anderem auch den Zeichenzyklus Song of the Earth Jorinde Voigts.

In einem Interview mit Numéro Berlin sagt Jorinde Voigt: „Mein Leben verläuft rückwärts.“ Und irgendwie hat sie recht: Sie studiert zuerst Geisteswissenschaften, um am Ende zu merken, dass sie viel mehr braucht als Sprache, um sich auszudrücken: Nämlich „die ganze Welt als Medium“.

Schließlich beginnt sie das Studium der Bildenden Kunst und der Fotografie. Zunächst arbeitet sie hauptsächlich mit Letzterem. Schließlich findet sie zu Zeichnung und Schrift – die Medien, die heute vorwiegend ihr Werk bestimmen. Während sich Voigt zu Beginn ihres Schaffens auf die Sichtbarmachung äußerer Phänomene aus Kultur und Naturwissenschaft konzentriert, gilt ihre Aufmerksamkeit jetzt viel mehr inneren Welten wie Wahrnehmung und Vorstellung. Schon als Schülerin nimmt sie Cello- und Klavierunterricht. Nun ist sie selbst zur Komponistin geworden.

Es wird deutlich: Voigt nimmt die Welt mit offenen Augen wahr. Sie ist sensibel für alles, was vor sich geht und findet am Ende doch meist zu sich selbst. Als würden sich ihre Beobachtungen und ihr Schaffen stets zuspitzen. Getrieben von Eindrücken und Bildern, landet sie letztendlich am Ursprung: Auf dem Grund ihrer eigenen Interessen.

Egal ob es bei ihren Werken um Liebe oder um eine Windböe geht – Komplexes soll auf das heruntergebrochen werden, was es für uns wirklich ist: ein Produkt unserer individuellen Wahrnehmung. So wird das Große im Kleinen, das Ferne im Naheliegenden und das Musikalische im Gemalten nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Und vielleicht sogar auf überraschende Weise neu verständlich.

 Ausstellungs- und Konzertprojekt SCORES
Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart – Berlin / Rieckhallen
Jorinde Voigt, Saâdane Afif, Christian Marclay, Ari Benjamin Meyers
Ausstellung: 28. Oktober – 13. November 2016
Konzerte: 28., 30. Oktober & 13. November 2016
Das Programm gibt es hier.

 

Beitrag: Alicja Schindler

 

Fotos: Jorinde Voigt, Berlin 2016 Radical Relaxation (I) bis (VII), Courtesy König Galerie, Berlin, David Nolan Gallery, New York, Lisson Gallery, London © Jorinde Voigt, Foto: Roman März
Jorinde Voigt, Berlin 2016 Partitur Radical Relaxation (I) bis (VII) Stress + Freiheit (Rousseau), P. Sloterdijk, UdK Berlin

Christian Marclay Screen Play, 2005 Single channel video projection, black and white with color, silent, 29 min. Courtesy the artist and Paula Cooper Gallery, New York

Saâdane AfifVice de forme: Das Kabarett (Posters), 2016, Courtesy of the artist

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