Zwischen Kunst und Mode

20.11.2017, Mode
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Zeitlos, ästhetisch, detailverliebt. Das Kölner Label Speaking Garments bündelt die Berührungspunkte zwischen Kunst und Mode.

In Kooperation mit internationalen und interdisziplinären Künstlern produziert Speaking Garments ausschließlich handgefertigte Liebhaberstücke in limitierter Stückzahl – die neulich lancierte Premierenkollektion entstand mit dem durch die Galerie Sprüth Magers vertretenen Künstler Michail Pirgelis. Gründerin Lina Miccio im Gespräch mit Numero Berlin.

Wie kam es zur Gründung von Speaking Garments?
Während meiner langjährigen Arbeit im PR-Bereich für verschiedene Modemarken ist mir aufgefallen, dass in dieser schnelllebigen Industrie einfach zu wenig Zeit fürs Geschichtenerzählen bleibt. Aus diesem Grund wollte ich gern etwas Konzentrierteres und Fokussierteres auf die Beine stellen – und da ich schon lange eine große Leidenschaft für Kunst hege und privat auch Kunst sammle, stand mein Plan schnell fest. Mit Speaking Garments möchte ich Textilien kreieren, die etwas zu sagen haben und die es schaffen, eine Essenz der Arbeit des Künstlers zu transportieren.

Woher kommt deine Leidenschaft für Kunst?
Kunst bietet mir eine Möglichkeit, den Alltag beiseite zu lassen und in andere Welten einzutauchen. Sich mit Künstlern zu befassen bedeutet für mich vordergründig zu erforschen, was sie mit ihrer Kunst sagen wollen. Für mich ist Kunst immer eine Erzählung. Diese ist vielleicht nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, aber mir gerade deshalb sehr wichtig.

Wie entwickelte sich deine erste Kollaboration?
Meine erste Kollaboration kam mit dem Kölner Künstler Michail Pirgelis zustande. Unsere Zusammenarbeit begann 2016, als er in Los Angeles auf einem Flugzeugfriedhof auf der Suche nach Teilen für seine Skulpturen war. Ich habe gleich gewusst, dass ich mit ihm zusammenarbeiten wollte, weil ich an den Fotos, die er mir von diesem Prozess zugeschickt hat, ablesen konnte, was für enormen Aufwand er darin investiert hat. Seine Fotos haben auf jeden Fall etwas in mir ausgelöst.

Also entstand die Zusammenarbeit mehr aus der Beschäftigung mit der Arbeit des Künstlers heraus?
Genau. Ich möchte mit meiner Marke grundsätzlich eine Brücke zwischen Mode und Kunst schlagen – und damit in der Lage sein, mehr über den Künstler zu erzählen. Mich interessiert nicht, welche Künstler gerade angesagt sind oder wer die meisten Follower auf Instagram zählt. Was mir wichtig ist, ist der persönliche Dialog, und das, was sie mit ihren Arbeiten erzählen wollen.

Inwiefern konntet ihr in der Premierenkollektion Mode und Kunst miteinander verbinden?
Bei der Zusammenarbeit hatte Michail Pirgelis sehr viel Einfluss auf das Design: wir haben gemeinsam Entwürfe gestaltet und diese weiterentwickelt, wobei die Schnitte zwar von uns kamen, aber es beispielsweise seine Idee war, die Naht in der Mitte des Sweaters einzusetzen, oder ebenjenen in weiß zu gestalten, weil das die Farbe ist, mit der er primär arbeitet.

Wie lange hat der Entstehungsprozess gedauert?
So lange, dass es wahrscheinlich für jede kommerzielle Marke komplett unrealistisch gewesen wäre: es waren ganze sechs Monate. Jetzt verstehe ich auch, warum die meisten Labels so etwas nicht machen. Wenn der Leitgedanke ist, kommerziell ganz schnell nach vorne preschen zu müssen, ist ein solches Projekt auf jeden Fall nicht die ideale Herangehensweise.


Sind dann alle eure Kollektionen limitiert?
Genauso wie die erste Kollektion werden auch alle zukünftigen Kollektionen limitiert sein. Alle unsere Teile werden von Hand genäht, in Köln produziert und vom Künstler signiert. Bei einer solchen Wertigkeit ist es natürlich realistischer und angemessener, die Stückzahl einzuschränken – ich kann von keinem Künstler erwarten, dass er beispielsweise 2000 Flugzeugteile schneidet.


Gibt es K
ünstler, mit denen du unbedingt zusammen arbeiten willst?
Interessante Frage! Das kann ich tatsächlich nicht beantworten. Natürlich gibt es Künstler, die ich toll finde – aber es ist nicht mein Bestreben, mit ihnen zu kollaborieren. Ich habe großen Respekt für ihre Arbeit, aber finde nicht immer, dass sie in einem Kleidungsstück umsetzbar ist. Für mich ist die Herausforderung nämlich, Kunst durch ihre Realisierung auf einem Textil einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.


Wie regelm
äßig möchtest du eine Kollektion rausbringen?
Zwei Mal im Jahr ist auf jeden Fall machbar. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne vier Mal im Jahr eine Kooperation lancieren – aber ob das so realistisch ist? Das wird sich hoffentlich im nächsten Jahr zeigen – ich habe ja gerade erst angefangen.

Bilder: Speaking Garments

 

 

 

 

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