INTERVIEW: WILL ASTEE

07.02.2018, Allgemein Mode News
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Will Astee ist der Menswear Design Manager von Urban Outfitters. Numéro Homme traf ihn zu einem exklusiven Interview.

NH: Was sind deine Aufgaben als Menswear Designer bei Urban Outfitters?

WA: Ich versuche einmal einen allgemeinen Überblick zu geben: Wir haben ein relativ kleines Team, das ich leite. Wir kreieren und arbeiten an verschiedenen Motiven, bereiten die nächste Saison vor und orientieren uns dabei natürlich am Kunden. Wir arbeiten eng mit dem ausführenden Designteam zusammen sowie mit dem Marketing und der Online Performance. Dabei sind wir immer bemüht einen abwechslungsreichen Look zu kreieren. Deswegen schauen wir die eine Woche nach Sports Punk Looks, um die nächste Woche danach wieder zum Romantic Look zu wechseln. Wir arbeiten nicht weit im Voraus der nächsten Saison wie die meisten Unternehmen es ein Jahr vorher schon machen, sondern erst drei, vier Monate vor der Saison. Wir versuchen immer im Wandel zu bleiben.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei euch aus?

Ein typischer Arbeitstag bei Urban Outfitters ist meist sehr busy. Wir haben ein kleines Team, was den Vorteil hat, dass wir Ergebnisse untereinander unmittelbar erleben und Ideen besser miteinander teilen können. Wir investieren viel Arbeit in die Vorbereitung unserer Trends. Die Trendfarbe für die kommende Menswear Saison ist „Jellybean Green“. Wir überarbeiten stetig unsere Design-Boards und checken die Farben, Modelle, Stoffe fortwährend.

 

Wie du vorher schon erwähntest arbeitet ihr nach Looks?

Genau, wir haben den Sports-Punk, den Romantic, den New Man. Dies ist unsere Art und Weise den „Typ“ zu charakterisieren. Wir referieren oft zu Street-Culture und der Geschichte. Ich gebe unsere Ideen an das Konzept und das Marketing Team weiter. Wir sind, wie bereits erwähnt, ein kleines Team, aber jeder ist so engagiert und besitzt diese „Hands-on“ Mentalität. Auch die Praktikanten haben bereits die Möglichkeit zu designen. Man kann förmlich zuschauen wie sie an ihren Aufgaben wachsen.

 

Was gefällt dir am meisten am Urban Outfitters Brand Portfolio?

Mir gefällt am meisten daran, dass es stetig im Wandel und jung ist. Es geht viel um das Mixen. Wir kombinieren einen Herren Anzug mit einem T-Shirt von Kappa. Es gibt nicht viele Regeln, eigentlich gibt es gar keine! Das ist das was ich so sehr mag und was soviel Spaß macht. Es ist inspirierend mit so vielen Brands zu arbeiten und auch unsere eigene Brand weiterzubringen. Der Zusammenprall von Farben und Stoffen ist einfach energetisch! Die Abwechslung und die Schnelligkeit ist was mir am meisten zusagt.

 

Welche High-Fashion Brands bieten dir derzeit die größte Inspiration?

Oooh, das sind viele!

 

Ich habe Louis-Vuitton gesehen und dann natürlich noch die Balenciaga Sneakers!

Ich könnte eine Person nennen, die mich inspiriert. Das wäre Kim Jones. Er hat seinen Background in Menswear und kombiniert dann High-Fashion Elemente, wie Balenciaga und Louis-Vuitton damit. Das Verblenden von High-Fashion und Street Fashion ist so wundervoll! Dann wäre da natürlich noch Off-White – das kann man eindeutig nicht außen vor lassen. Und dann spielen für mich persönlich die 90er Jahre eine große Rolle. Sie versetzen mich zurück in meine Jugend.

 

Liegt dabei der Fokus des Zurückschauen besonders auf UK-Fashion?

Ich denke, man kann von einem europäischen Stil sprechen mit einer britischen Überschneidung. Wir sind offen für die unterschiedlichen Strömungen in den einzelnen Ländern.

 

Ich bin mir nicht sicher, ob es dir erlaubt ist dich zu meiner nächsten Frage zu äußern. Welche Designer-Kollaborationen würdest du dir für die Zukunft für Urban Outfitters wünschen?

Ich kann niemand Spezielles nennen, aber es sind viele junge Brands aus Korea. Des Weiteren T-Shirt Brands, die Spaß am kreieren haben. Es gibt auch so viele Brands auf Instagram, die viel Energie haben, Grenzen durchbrechen und sich selbst über Mode ausdrücken.

 

Wenn man es negativ umschreiben wollen würde: Sind da auch Fälschungen dabei?

Das ist schwer zu sagen. Klar gibt es Fälschungen, dennoch respektiere ich die Leute, die neue Ideen haben und eine neue Energie mitbringen und etwas verändern wollen. Ich habe in den 90er Jahren in einem Klamotten-Geschäft namens Hyper Hyper in Kensington Market gearbeitet. Es war zu einer Zeit in der es viele noch damals junge Brands wie Supreme, Stüssy gab. Das ist mein Background. Ich bin ein großer Fan von neuem Vintage – Vintage der nicht allzu lange her ist. Alles ab den 90er Jahren, zum Beispiel seit Tommy Jeans.

 

Ja, alles was danach kam war toll. Ralph Lauren, Rugby Shirts.

Genau, Vintage von vor 10 Jahren!

 

Vintage können ja schließlich auch schon die Millenium Jahre sein.

Jeder hat seine eigene Version von Vintage. Es ist manchmal die Rede von Vintage Snobs, aber ich denke es geht nicht um Snobismus, sondern darum, dass die Leute Spaß am kombinieren und neu interpretieren haben. Wir erschaffen die Tools für unsere Kunden, damit sie ihren eigenen Stil erleben und erforschen können.

 

Kannst du uns sagen, wie die Saisons in der High-Fashion deine eigene Arbeit beeinflussen in Bezug auf die Mens- und Womenswear Kollektion?

Wir brechen unsere Arbeitsergebnisse stetig herunter und sind immer dabei sie weiterzuentwickeln. Wenn sich etwas neues ergibt, so brechen wir das Alte auf. Wir versuchen uns immer auf das Neue zu richten und konstant auf der Suche zu bleiben. Wenn wir die alten Regeln für die neue Saison brechen müssen, dann tun wir das. Das Wichtigste ist, dass wir uns immer gegenseitig updaten, also würde ich sagen, dass es immer im Wandel ist.

 

Wann beginnt ihr an der neuen Kollektion zu arbeiten bevor sie letztendlich im Shop landet?

Drei bis sechs Monate vorher. Es geht ziemlich schnell bei uns.

 

Das wundert mich, weil ihr auch viel von anderen Brands kauft und diese meist einen längeren Saison Zyklus haben.

Ich spreche hier hauptsächlich von unserer eigenen Brand Perspektive. Wir haben außerdem Kollektionen gemeinsam mit Champion oder Kappa.

 

Da die Zielgruppe von Urban Outfitters noch relativ jung ist, würde mich interessieren woher ihr die benötigten Informationen für den potenziellen männlichen Kunden erhaltet?

Ich schaue auf vielen, vielen digitalen Plattformen nach. Vermehrt natürlich Instagram. Wir haben außerdem viele Musik Kollaborationen und Events mit jungen Künstlern. Zusätzlich veranstalten wir zur Weihnachtszeit eine kleine interne Messe in unseren Stores, wo jungen Künstlern die Möglichkeit gegeben wird ihre Werke zur Schau zu stellen und sich zu vernetzen.

 

Was ist relevant für die männliche Zielgruppe von 25-30 und die Zielgruppe von 15-20?

Im Vergleich zu früher haben wir jetzt auch vermehrt ältere Kunden, sodass wir uns bemüht haben unsere Stoffe zu verbessern und eine noch schnellere Lieferung zu gewährleisten. Trotz dessen bleibt die jüngere Zielgruppe unsere wichtigste.

 

Aber auch diese wird älter…

Ja genau, richtig! Und wenn wir sie behalten und mitnehmen könnte, wäre das doch super!

 

Und meine letzte Frage ist: Wie schnell verändert sich die jüngere Generation an Kunden in Bezug auf Geschmack und Konsumverhalten?

Schnell, sehr schnell! Man muss immer auf der Suche sein. Es gibt schließlich so viele Quellen und Feeds, die man durchstöbern kann. Schließlich geschieht alles so schnell auf der Welt. Sobald die eine Idee entwickelt wurde, folgt auch schon die nächste.

 

Bilder: PR

 

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