Interview: Roberto Drago

21.06.2018, Beauty Events
 
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Roberto Drago hat sein ganzes Leben in der Parfümbranche verbracht. Gemeinsam mit seiner Frau erfüllte er sich im Jahr 2009 einen Wunsch: Sie gründeten Laboratorio Olfattivo, eine Nischenparfümmarke. Während einer Veranstaltung im Berliner Agnona-Store sprach er mit uns über seine Firma, seine Inspiration und welche Gerüche er am liebsten hat. 

Sie sind quasi in der Parfümbranche aufgewachsen, ihre Eltern hatten eine Parfümerie. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie ebenfalls in der Branche arbeiten wollen?
Da gab es nie einen ausschlaggebenden Moment. Meine Eltern hatten diese kleine Parfümerie in Turin und ich habe dort schon als Kind immer unbewusst meine Nase trainiert. Als ich 21 Jahre alt war und nicht wusste, was ich beruflich machen wollte, holte mich mein Vater in den Laden um dort auszuhelfen. Er war der Meinung, dass sei besser als auf der faulen Haut zu liegen. Bei uns im Laden gingen viele Handelsvetreter ein und aus. Einer von ihnen ermutigte mich dazu, mich auf eine Stelle bei der Lancaster Group zu bewerben. Ich habe eine Bewerbung versendet und wurde direkt genommen. 

Wie kamen Sie dann dazu, Laboratorio Olfattivo zu gründen?
Nachdem ich dort elf Jahre gearbeitet habe, bin ich zu Orlane Skincare gewechselt. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Im Jahr 2009 dann, als wir beide genug Erfahrung in der Distribution gesammelt hatten, gründeten wir dann Laboratorio Olfattivo. Es ist ein Familienprojekt, ich bin für die Düfte zuständig, meine Frau für die anderen Bereiche wie Distribution und Packaging.

Wie hat sich die Parfümindustrie in den letzten Jahren entwickelt?Die Branche verändert sich ständig. Besonders im Massensegment verschlechtert sich die Qualität der Parfüms stetig. In den 90er Jahren hingegen, konnte man noch viele tolle Düfte finden.

Woran liegt das?
Im Massensegment geht es in erster Linie um das Geschäft, es geht darum, Ergebnisse zu erzielen und keine Risiken einzugehen. Am Ende des Jahres dürfen keine negativen Zahlen geschrieben werden. Bei den Nischendüften gibt es andere Regeln, hier ist man nicht von Marketing abhängig. Wenn wir einen Duft realisieren möchten, dann tun wir es auch.

Inwiefern unterscheidet sich Laboratorio Olfattivo von anderen Nischenbrands?
Ich glaube nicht, dass wir anders sind als andere Brands. Ich hoffe, dass die Inspiration aller Nischenmarken dieselbe ist: Etwas zu kreieren, was nicht an die Regeln des Marketings gebunden ist. Was mir persönlich wichtig ist, ist den Düften immer wieder einen neuen Twist zu geben. Wenn zum Beispiel ein Duft von meinem Trip nach Mexiko inspiriert ist, dann riecht es nach meiner Reise. Dann soll niemand anderes sagen können: Genauso riecht Mexiko für mich. Wenn zwei Menschen nach Mexiko reisen, sehen sie dasselbe und die Gerüche sind vielleicht auch gleich, aber die Wahrnehmung des Duftes ist eine völlig andere.

Woher kommt die Inspiration zu Ihren Parfümen?
Von überall her. Bei Kashnoir zum Beispiel, kam die Idee durch ein Foto. Darauf zu sehen war eine Frau mit einem Schleier vor dem Gesicht. Es war kein besonderes Foto, aber ich habe mich gefragt, was hinter dem Schleier passiert? Lacht sie, guckt sie ernst? Nur wenn sich der Schleier lüftet, würde man dies erfahren. Und ich dachte mir: „Wow, ich will ein Parfüm machen, welches diesen Moment einfängt.“

Patchouliful auf der anderen Seite, ist durch das Wort entstanden. Es war das Wort des Tages im Urban Dictionary: „It’s the pinnacle of female beauty and it transcends the normal terms, like beautiful, gorgeous, etc and takes them to a higher level.“ Anfangs denkt man, es sei leicht einen Patchouli-Duft zu kreieren, aber es dauerte drei Jahre. 

Décou-Vert zum Beispiel ist das Ergebnis eines Experiments. Ich habe versucht ein Parfüm zu kreieren, welches drei verschiedene Duftfamilien beinhaltet: grüne Noten, pflanzliche Noten sowie blumige Noten. Als das Parfüm dann fertig war, habe ich plötzlich noch eine andere Duftfamilie gerochen: die aquatische Note. Das war eine Entdeckung, auf französisch: découverte. 

Abgesehen von Parfüms: Was ist Ihr Lieblingsduft?
Das ist schwierig, aber ich würde sagen dunkle Schokolade, 70 prozentige. Alleine beim Gedanken daran nehme ich zu (lacht).

Welches Ihrer Parfüms ist Ihr Lieblingsduft?
Ich habe zwei Favoriten. Salina, für den Sommer, weil es frisch riecht, nach dem Meer. Und Vanhera für den Winter, unsere eigene Interpretation von Vanille.

Welches ist der neueste Erscheinung?
Need_U. Ich habe im Vorfeld lange mit vielen erfolgreichen Parfümeuren gesprochen und aus diesen Gesprächen habe ich viel gelernt. Zum Beispiel, dass wenige gute Inhaltsstoffe reichen und man nicht 60-70 verschiedene. Es ist ein moschusartiges Parfum, welches sich erst auf der Haut entfaltet. Es braucht die Haut, also: Need_U. Aber es gibt ein Problem in der Formel, es ist voll von Moschus und viele Leute können Moschusnoten nicht riechen. Für sie riecht es nur nach Alkohol. Es gibt also Menschen, die es lieben und diejenigen, die es nicht riechen können. 

Bilder: PR

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