Interview: Sophia Lillis

23.07.2019, Interview
 
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Sophia Lillis ist der 16-jährige Shooting-Star aus Es und Sharp Objects und bekannt für ihre roten Haare. Dabei sind die eigentlich gar nicht rot. Zumindest nicht so.

Ein Interview mit Schauspielerin Sophia Lillis ist gar nicht so leicht zu bekommen. Sie tippt die Antworten auf unsere Fragen schließlich auf dem I-Phone ihres Agenten. Kein Wunder, denn die 16-jährige New Yorkerin feiert seit einer Rolle in der Stephen King Verfilmung „Es“ ihren Durchbruch in Hollywood. Sie spielt dort die smarte Beverly, Mitglied einer Außenseiterbande, die gegen das Böse kämpft. Tiefgründige Rollen mit Haltung scheinen wie für sie gemacht. Rote Haare, fragil, aber zäh, androgyn und Augen wie aus einem anderenUniversum. Dazu mächtig ehrgeizig.

In der gerade erschienen HBO-Serie Sharp Objects (Regie: Jean Marc Vallée) gibt sie die junge Version des Amy- Adams-Charakters, die in ihrer Kindheit schwerem Missbrauch ausgesetzt war. Wieder eine Außenseiterin mit Heldenpotential. Lillis betont, dass sie selbst aus einer ganz normalen Familie komme.

Julia Zange: Rothaarige Menschen brauchen angeblich 20 Prozent mehr Narkosemittel, um bei einer Operation friedlich zu schlafen. Denkst du, das stimmt? Verleihen rote Haare magische Kräfte?

Sophia Lillis: Ich bin ja eigentlich gar nicht so rothaarig wie Beverly in Es. Meine natürliche Haarfarbe ist eher ein Rotbraun. Ich habe aber tatsächlich eine sehr hohe Toleranz gegen Schmerzen. Auch Kälte macht mir nichts aus. Nur gegen Hitze bin ich sehr empfindlich.

JZ: Ich habe viele Jahre lang immer wieder ein rotes Kleid getragen, meinen Power-Dress. Egal wie schlecht es mir ging, hat dieses Kleid immer wieder mein Selbstbewusstsein hergestellt. Es war wie eine Art Rüstung für mich. Hast du eine Lieblingsfarbe?

SL: Nicht wirklich. Ich mag Grün sehr, aber meistens trage ich Farben wie Grau und Schwarz. Das kann man gut kombinieren und es passt immer.

JZ: Wie kann man sich eine Kindheit in New York vorstellen?

SL: Ganz angenehm. Man fährt gewöhnlich schon in sehr jungen Jahren überall alleine hin – das vermittelt einem eine gute Portion Unabhängigkeit. Das Essen ist fantastisch und man kann immer irgendetwas unternehmen. Manchmal eher zu viel. Ich habe eigentlich gar nicht genug Zeit, um mal alleine in meinem Zimmer zu entspannen.

 

JZ: Würdest du gerne in der Großstadt bleiben oder irgendwann aufs Land ziehen?

SL: Ich glaube, ich würde irgendwann lieber an einem abgeschiedeneren Ort leben. Aber immer noch im Dunstkreis einer größeren Stadt. Ich bin so an das Großstadtleben gewöhnt, ich könnte mich woanders gar nicht wirklich zuhause fühlen. Ich bin früher regelmäßig nach Maine gefahren, über den Sommer. Das vermisse ich gerade schon. Einen Ort wie Maine könnte ich mir irgendwann mal zum Wohnen vorstellen.

JZ: Du hast bereits mit sieben Jahren mit dem Schauspiel angefangen. Was war dein Antrieb? Hattest du Vorbilder?

SL: Ich habe in meiner Kindheit eine Menge ausländischer Filme gesehen, zum Beispiel La Strada von Fellini, Letztes Jahr in Marienbad, Fahrraddiebe von Vittorio de Sica. Meine Lieblingsschauspielerin war Giulietta Masina. Ihre Art des Schauspiels zog mich wirklich in den Film rein. Ich wollte so sein wie sie, wenn ich älter bin.

JZ: In Es und Sharp Objects spielst du ja psychologisch schwierige Charaktere. Wünschst du dir manchmal, etwas Normales zu spielen? So eine Art girl next door in einem Highschool-Film?

SL: Ich wäre auch mit etwas subtileren Rollen zufrieden. Das girl next door hat meist nicht besonders viel Tiefe oder Charakter. Sie existiert einfach nur irgendwie in der Szene. Wenn das Drehbuch gut gemacht ist, haben natürlich auch die kleinen Rollen ihre Daseinsberechtigung. Ich spiele aber wirklich gerne intensive Charaktere.

 

JZ: Wie bereitest du dich vor? Bist du ein Fan des Method Acting?

SL: Ich versuche erst mal Übereinstimmungen zwischen mir und der Rolle zu finden, damit es einfacher wird, ihre Handlungen und Beweggründe zu verstehen. Außerdem ist es wichtig, fit zu sein und alle Kunstfertigkeiten zu lernen, die im Film für die Rolle wichtig sind. Die Detektivin Nancy Drew zum Beispiel kann Skateboarden. Also hab ich mir ein Skateboard gekauft und mehrmals pro Woche im Park geübt. Ich bin keine klassische Method-Schauspielerin, habe allerdings Kurse am Lee Strasberg Institute besucht, seit ich sieben Jahre alt war.

JZ: Wie war das für dich, Es zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen? Unheimlich? Gruselst du dich generell in Horror-Filmen?

SL: Ich dachte, ich würde mich zu Tode ängstigen, aber eigentlich war es dann ganz schön. Zu sehen, wie alle Elemente auf der Leinwand zusammengefunden haben. Auf seltsame Art und Weise fühlte sich das an wie eine Slide Show mit allen Erlebnissen meines Sommers. Nur dass es eben keine Bilder vom Camping mit der Familie waren, sondern ein Horrorfilm.

JZ: Wenn du dein eigenes Skript schreiben könntest: Was würdest du für eine Geschichte erzählen?

SL: Gute Frage. Ich würde wahrscheinlich ein paar dynamische Charaktere in eine verrückte, aber nachvollziehbare Situation stecken. Ein unbeschwerter Film mit witzigen Dialogen. Ich bin keine Autorin, aber hab schon immer davon geträumt, ein Skript zu schreiben. Eigentlich sollte das jeder mal versuchen.

JZ: Arbeitest du gerade an einemneuen Film?

SL: Es gibt mehrere Projekte, die bald starten und hoffentlich in den nächsten Wochen offiziell angekündigt werden.Gerade drehe ich Es 2 in Toronto

 

Fotos: MARCUS COOPER, Styling: CECILIA LIU, Haare: HIRO + MARI at Bryan Bantry, Make-up: YUKI HAYASHI at Streeters, Talent: SOPHIA LILLIS, Interview: JULIA ZANGE

Dieser Beitrag erschien in der fünften Ausgabe der Numéro Berlin #Rot. 

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