Bela Borsodi spielt mit der Ästhetik des Ungewöhnlichen

16.10.2019, Fotografie Kultur
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Kunstfotograf Bela Borsodi und Dashwood Books haben vor Kurzem ein Must Seen Kunst-Booklet veröffentlicht, das fünfzehn Nudes mit einem eher ungewöhnlichen Fetisch zeigt. Der Verlag lud den gebürtigen Wiener Fotografen ein, für ein neues Heft Arbeiten einzureichen. Doch statt alter Fotografien vorzulegen, bei denen es bisher noch nicht zur Veröffentlichung kam, plante Borsodi eine neue Reihe. Um eine klassische Aktserie zu vermeiden, brauchte es noch einen besonderen Faktor. Daher Phytophile – der Titel. Wortwörtlich übersetzt Pflanzenliebe.

Zu sehen ist eine Frau, nackt, die ihre Gefühle für die grünen Gewächse in semi-erotischen Posen auslebt. Model Faina ist Protagonistin der unüblichen Liebesgeschichte. Dies ist sichtbar kein Fashion Shoot, hier erzählt uns die junge Frau von ihren intimsten Momenten.

Es ist ihre Story. Denn in jedem Foto kontrolliert die Brünette das, was geschieht. Sie sieht uns nicht an, weiß aber, dass wir ihr über die Seiten folgen. Mit voyeristischem Blick folgen wir als Zuschauer*innen der Frau und ihren Pflanzen über zwölf Seiten bis uns die Protagonistin auf dem letzten Bild mit ihren Augen konfrontiert.

Borsodi entwicklet die Shoots selbst mit, ist aktiver Teil seiner Fotografie. Denn es ist an integral part of his imagery and conceptual process“. Von der Fotoserie im Magazin des in New York lebenden Künstlers gibt es 300 Kopien.

Borsodis Bilder spielen mit der Wahrnehmung. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen dem realistisch Möglichem und der Fantasie. Auch die schwarz-weiß Strecke spielt mit diversen Perspektiven und Posen, die es der Vorstellungskraft der Betrachter*innen überlässt, auf welche Weise die Fotos gelesen werden.

Du entwickelst deine Shoots selbst mit. Welcher Teil ist der schwierigste und welcher macht dir am meisten Spaß, sowohl bei Phytophile als auch allgemein?
Was mir am meisten Spaß macht und was auch das schwierigste ist, ist die grundsätzliche Idee zu entwickeln. Eine gute Idee, die mich dann auch motiviert ein Projekt wirklich enthusiastisch anzugehen. Bei einer solchen Idee ist es für mich wichtig, dass es eine eigenständige Idee ist, zu etwas was ich noch nicht gesehen habe, oder nicht in der Art wie ich es dann vorhabe. Inspiration bedeutet für mich niemals etwas nachzumachen oder nachzuahmen was es schon gibt, sondern etwas neues auszuprobieren. Auch soll eine gute Idee versprechen, dass der Prozess ein spannendes Unterfangen sein wird mit ungewissen Ausgang. Wenn Ich auch ein bestimmtes Resultat oder Ziel zuerst im Kopf habe, muss die Idee sich verselbstständigen können. Im Prozess möchte ich von meiner eigenen Idee lernen, sie kennenlernen, ihr zuhören wie sie angegriffen werden möchte, mich mit ihr auseinandersetzen … das ist das spannendste, auch wenn das manchmal alles in Frage stellt und verändert. Ein Künstler muss im wechselseitigen Dialog mit der eigenen Kreation stehen, und letztlich ist das Resultat ein Dokumentation dieses künstlerischen Prozesses. Eine Idee nur zu exekutieren, von der man schon im voraus weiss, wie alles ausgehen wird, finde ich nicht spannend. Auch wenn ich Künstler und deren Kunstwerke betrachte steht dieser Grundgedanke für mich immer im Vordergrund. 
Mit meinem “Phytophile” Projekt wollte ich ein erotisches Photoprojekt machen. Ich suchte aber noch ein zusätzliches Element, das etwas spezielles oder neues zu der Unsumme von erotischen Photographien beitragen kann. Ich dachte dabei vielleicht einen “neuen” oder ungewohnten Fetisch zu entdecken, der mir soweit nicht bekannt war … und dann kam mir die Idee mit den Pflanzen als Fetisch. Zwar gibt es auch unzählige Photographien von nackten Mädchen mit Pflanzen und Blumen, aber ich habe noch nie gesehen, dass “Sie selbst” dabei an den Pflanzen sexuell interessiert ist. In diesen Projekt sind die Pflanzen “Ihr” Fetisch, und meine Kamera betrachtet sie wie ein Voyeur, der ihr zwar mit den Pflanzen zusehen darf, aber auf den Sie sich nicht weiter einlässt, nur auf der letzten Seite sieht sie einmal in die Kamera und somit auf den Betrachter. 
Bei meinem Research dazu kam ich dann doch noch auf einen existierenden Fetisch mit Pflanzen: ”Ecosexuality”, welcher aber wiederum in seiner Ästhetik und Absicht doch anders aussieht und funktioniert als wie bei meiner Publikation.
Wie viele Pflanzen hast du selbst bei dir zuhause zu stehen?
Bis lang hatte ich nie Pflanzen bei mir, aber seit diesem shoot lebe ich mit 5 Pflanzen, die bei diesem Projekt beteiligt waren.
Kannst du dich an einen Moment erinnern, als eine Pflanze (oder auch ein anderer Gegenstand) dir ein enger Vertrauter war?
Bei sehr vielen meiner Projekte setzte ich mich stark mit der”Psychologie” und dem “Charakter” der Objekte auseinander. Um diese besser zu verstehen, und ihnen dabei nicht einfach nur die offensichtlichen Attribute, Merkmale oder Funktionen zuzuschreiben. Mich interessiert zu erforschen was noch unbekanntes ihn ihnen steckt, oder was sie tun können das man sich nicht von ihnen erwartet. Somit werden manchmal die unterschiedlichsten Dinge meine Vertrauten und Weggefährten für einige Zeit.
Kannst du dir eine Fortsetzung der Reihe vorstellen, vielleicht sogar mit einem anderen Shooting-Partner (beziehungsweise Fetisch) als den Pflanzen?
Vielleicht 🙂 
Du hast bereits einige Editorials für Numéro und Fräulein gemacht. Welches der Shoots war der ungewöhnlichste und warum?
Ich habe ja schon an sehr vielen Projekte mit euch gearbeitet, und die meisten haben mir auch sehr viel Spass gemacht, da ich soviel Freiheiten hatte.
Dann nenne ich mal 2 Projekte, die mir da als erstes einfallen: 
Die Uhren Geschichte mit diesen “Handkreaturen” für die Numéro war ein Riesenspass. https://www.belaborsodi.com/editorial/wrist-watch
Eigentlich entwickelte ich dieses Konzept für ein anderes Magazin, welches dann aber diese Idee leider gekillt hatte. Sie befürchteten, daß diese Photos zu grotesk wären und Leute verärgern könnten die Behinderungen haben (?). Als mir die Idee dazu kam dachte ich wie einfach diese eigentlich ist und dennoch so ungewöhnlich, so offensichtlich aber doch noch nie gesehen. Ich zeige die Uhren auf Händen vor einem weißen Hintergrund, lediglich habe ich die Hände zu surrealen Handkreaturen retuschiert, die nun selbstständige Wesen geworden sind, die mit den Uhren posieren und herumkrabbeln.
Das “Einhorn” Projekt für die Fräulein war auch sehr lustig.https://www.belaborsodi.com/editorial/unicorns
Ich sollte Photos als Illustration zu einen Text über “Einhörner” erstellen. Ich dachte, daß es doch nicht nur pferdeartigen Kreaturen zustehen sollte zu einem “Einhorn” erkoren zu werden. Jede Kreatur wäre doch ein “Einhorn”, solange sie eben nur ein Horn am Haupt hat. Das habe ich dann an allen möglichen Dingen ausprobiert indem ich ihnen ein Horn aufgesetzt habe, wie diese aussehen würden wenn sie “Einhörner” wären: Der Hund von einem Freund von mir, ein Auto, ein Schneckenhaus, ein Spiegel, eine Porzellanschale, die Figure eines grantigen Mannes, etc ….

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