Im Interview: Kim Petras

 
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„I want all my clothes designer | I want someone else to buy them“ mit diesen Lyrics ihres Songs „I Don’t Want It At All“ eroberte Kim Petras nicht nur die Herzen vieler Popmusik-Fans sondern auch das von Paris Hilton höchstpersönlich. Und sobald sich diese zwei Pop-Prinzessinnen zusammengefunden hatten – Hilton unterstützte Petras durch einen Gastauftritt in ihrem allerersten Musikvideo zu oben genannter Single – blieb der Erfolg nicht lange aus. Innerhalb eines Jahres entwickelte sich Kim Petras, die vorher als Songwriterin Texte für Musiker*Innen wie Fergie schrieb, zum heiß begehrten Popstar, der in den USA ausverkaufte Touren spielt. Anlässlich ihres neuen Albums, Clarity, und der dazu gehörigen Welttournee, Broken Tour, kehrt die 27-jährige Kölnerin zurück in ihre deutsche Heimat, der sie vor acht Jahren den Rücken kehrte. Auch hier trifft sie erstmals auf ausverkaufte Hallen.

Numéro Berlin traf Kim Petras in der Hauptstadt und sprach mit ihr über ihre größte Leidenschaft, das Songschreiben, die Liebe zur Mode aus den frühen 00er Jahren und darüber, warum sie nichts aufhalten kann – nicht einmal ein gebrochenes Herz.

Erzähl uns von deinem neuen Album Clarity: Du hast 12 Songs innerhalb von 12 Wochen released. Warum nicht alle auf einmal? 

Als ich letztes Jahr meine Singles heraus brachte, wurde ein Song pro Monat veröffentlicht. Eine Methode, die für mich als neue Künstlerin sehr gut funktionierte, da die Pausen zwischen den Veröffentlichungen nur sehr kurz waren. Jeden Monat gab es einen neuen Song, den meine Fans hören und teilen konnten, was nicht unerheblich zum Aufbau meiner Fanbase beitrug. Dieses Mal haben wir das Ganze noch etwas extremer gemacht – on steroids sozusagen – und einen Song pro Woche veröffentlicht.

Das kling nach Stress.

Ja, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht. Ich habe für Clarity ungefähr 50 Songs geschrieben, aus denen ich am Ende die besten zwölf ausgewählt habe. Als diese Trackliste dann endlich fertig war, wollte ich einfach nicht mehr Monate warten, bis alles auf einmal veröffentlicht werden kann. Mit einem Lied pro Woche stieg auch der Ansporn an mich und mein Team, da wir wussten, dass wir den jeweiligen Song bis zum Ende der Woche fertig haben müssen oder er erscheint nicht. Dann haben wir für jeden der Songs auch ein eigenes Cover gestaltet… 

… und jeweils ein Musikvideo.

Die Videos sind sogar schon entstanden, bevor die ganzen Songs fertig waren. Wir haben alle zwölf Videos an einem Tag gedreht.

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Broken, eine Ballade über ein gebrochenes Herz, ist auch der Titel zu deiner Tour. Fing damit alles an?

Am Anfang stand noch nicht fest ob das Album Broken oder Clarity heißen wird. Bei Clarity war lange unsicher, ob der Song überhaupt auf dem Album sein sollte. Bei Broken hingegen war es eindeutig: Ich hab das ganze Album geschrieben, als ich letztes Jahr betrogen wurde. Zu der Zeit war ich gerade mit Troye Sivan auf Tour durch Amerika. Ich war so traurig performte aber jeden Tag meine Bubblegum-Pop-Songs während ich mich innerlich danach gesehnt habe ein Emo-Album zu machen. Als ich dann mit meinen Freunden im Studio war, wurde alles wieder gut. Ich habe einfach gelernt, dass es die Musik ist, die mich am glücklichsten macht und mich durch schwere Phasen hindurch bringt. Musik verschafft mir diese Klarheit, mich auf meine Ziele zu fokussieren und mich von nichts davon abbringen zu lassen, nichtmal von einem gebrochenen Herzen.

Du hast 50 Songs für Clarity geschrieben und dann auf die besten zwölf gekürzt. Überhaupt hast du in deiner Karriere als Songwriterin schon über 600 Songs geschrieben. Hast du je Angst, dass dir die Ideen ausgehen könnten? 

Bisher noch nie. Natürlich habe ich manchmal eine Schreibblockade, dann muss ich erst zehn bis 15 richtig schlechte Songs schreiben, bevor mal wieder ein guter dabei ist. Aber es ist einfach der wichtigste Teil der Arbeit eines Songwriters, sich ständig Inspiration zu suchen. Und diese kann überall herkommen, wenn man offen ist, sich für Dinge interessiert und den Geschichten anderer Menschen zuhört.

Wie läuft bei dir der Prozess zur Entstehung eines Songs ab? 

Manchmal habe ich einen Satz oder ein Wort im Kopf, das den Grundstein für einen neuen Song legt. Manchmal gehe ich direkt ans Mikrofon und freestyle eine Melodie, ganz ohne Worte. Da ich lange bevor ich selbst performte schon Songs für andere Künstler schrieb, habe ich mir die verschiedensten Methoden angeeignet. Songs schreiben ist der Grund, aus dem ich das alles mache. In erster Linie gilt meine Leidenschaft dem Schreiben. Natürlich liebe ich es, für meine Fans zu performen, aber es ist noch nicht all zu lange her, da hatte ich davon ja noch keine. Da habe das alles für mich gemacht. Habe Songs geschrieben, wenn es mir schlecht ging. Für mich kommt nichts an das Gefühl heran, welches ich habe, wenn ich einen Song fertig geschrieben habe, ihn das erste Mal fertig gemixt höre und weiß, dass er komplett ist. 

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Deine Liebe für Mode drückst du nicht zuletzt auch in deinen Songs aus – wie würdest du deinen Stil beschreiben? Gibt es den einen „Kim Petras-Look“?

Mein Stil ist sehr vielseitig, es gibt nicht den einen typischen Look. Ich verändere mich ja auch gerne mit Perücken, experimentiere mit Make-up. Jetzt gerade bin ich total im 90er-Jahre-Supermodel-Fieber und finde Inspiration bei den Ikonen von damals wie Linda Evangelista, Claudia Schiffer und Naomi Campbell. Besonders die früheren Kollektionen von Thierry Mugler liebe ich sehr. Grundsätzlich bin ich aber eher ein kleines Chamäleon, das jeden Tag seinen Look ändert.

Inwiefern empowert dich Mode?

Mode ist für mich schon immer ein Mittel, meine Stimmung auszudrücken. Viel hängt davon ab, wie ich mich fühle, wo ich hingehe oder mit welchen Leuten ich mich treffe. Ich war schon als Teenager ein Fan John Gallianos frühen 2000er Jahre Dior Kollektionen. Als ich jetzt vor einem Jahr endlich mal das Geld hatte, mir diese Sachen auch leisten zu können habe ich mir auf Ebay die pinkfarbenen Taschen der Dior Murakami Kollektion gekauft. Seit meiner Kindheit ist Mode also eine riesige Inspiration für mich. Wenn ich einen Song schreibe weiß ich meistens schon: Das habe ich im Musikvideo an, das habe ich auf der Bühne an. 

Du siehst also das gesamte Bild direkt vor Augen.

Ja, das ist ein sehr großer Teil davon. Und ich schreibe echt Songs über Outfits. Manchmal, wenn ich etwas Bestimmtes anhabe, inspiriert mich das zu einem neuen Lied.

Du bist vor einigen Jahren nach LA gezogen, da du das Gefühl hattest, in Deutschland mit Popmusik nicht durchstarten zu können. 

Ich habe in Deutschland einfach nicht die richtigen Leute kennengelernt und wollte quasi zur „Pop-Schule“ in LA gehen. Dort, wo die ganzen Songwriter sind.

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Wie fühlt es sich an, jetzt für deine Tour nach Deutschland zurück zu kehren?

Es ist so schön, zum ersten Mal habe ich hier Shows ausverkauft. Ich habe früher immer in halb leeren Bars gespielt, jetzt ganze Shows auszuverkaufen ist ein unglaubliches Gefühl. Auch erinnere ich mich wieder an die ganzen Songs aus meiner Kindheit, ich habe, als ich gelandet bin, direkt Blümchen gehört und meinen Freunden die Musik von Deichkind gezeigt. Es ist so spannend, meinen amerikanischen Freunden all diese Dinge aus meinem Leben aus Deutschland zu zeigen.

Denkst du, die Menschen in Deutschland sehen sich jetzt hier mit anderen Augen?

Um ehrlich zu sein, kann ich das nicht beurteilen. Ich war seit einem Jahr nicht mehr in Deutschland. Aber ich habe Erfolg in Amerika und habe da große Touren und das bekommen die Leute hier natürlich mit. Ich habe erst vor zwei Jahren meine erste offizielle Single veröffentlicht und bin immer noch dabei mir meine Fanbase aufzubauen, auch hier in Deutschland.

 

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Was ist der größte Unterschied zwischen dem Leben in LA und dem in Köln, deiner Heimatstadt? 

Die Leute in LA sind generell etwas entspannter als in Deutschland, hier sind alle sehr geradeheraus, es gibt super viele Regeln. In Los Angeles fühle ich mich einfach etwas freier. Es ist die Energie der Stadt und natürlich auch das Wetter, was mich reizt.

Was vermisst du an deiner Heimat am meisten?

Am meisten natürlich meine Familie, die lebt noch in Köln. Ansonsten vermisse ich den Dom, den man als erstes sieht, wenn man in den Kölner Hauptbahnhof einfährt. Dieser Anblick erweckt das Heimatgefühl in mir. Und den guten öffentlichen Verkehr in Deutschland, den gibt es in LA nämlich überhaupt nicht. Ich hab keinen Führerschein und das ist in einer Stadt ohne S- und U-Bahnen ziemlich schwierig. Wenn ich hier bin, genieße ich es, alles etwas weniger planen zu müssen.

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Fotos Tom Kleinschmidt 

Styling Fabio Pace

Haare Iggy Rosales

Make-Up Kenny Campbell

Produktion Julius Salvenmoser

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Stylingassistenz Ann-Kathrin Lietz

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