Im Interview: Spencer Pratt

14.10.2019, Interview
 
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DER KRISTALL-HÄNDLER:

Auf den Aufstieg zum Reality-TV-Millionär folgte der nicht ganz so tiefe Fall ins Strandhaus seiner Eltern. Spencer Pratt kennt die finanziellen Aufs und Abs privilegierter Erwerbskarrieren. Seine neueste Unternehmung: Pratt Daddy Crystals– ein Onlineshop für Heilsteine.

Spencer Pratt ist ein amerikanisches Pop-Phänomen. Er und seine Freundin Heidi Montag übernahmen die Rollen der Bösewichter in The Hills, einer Reality-TV-Serie, die zwischen 2006 und 2010 auf MTV lief. Die beiden wurden als „Speidi”zu Klatschmagazin-Größen, die noch die Senderechte für ihre Hochzeit verkauften. Irgendwann war der Ruhm verweht und das Geld alle. Mit seinem anderthalbjährigen Sohn Gunner lebt das Paar heute in Pacific Palisades, wo die beiden den Podcast Make Speidi Famous Again betreiben. Das Familieneinkommen stammt aus Pratts Online-Heilstein-Business Pratt Daddy Crystals, das Anhänger und Amulette verkauft, die mehr Kreativität und Liebesenergie verleihen sollen. Eine neue Staffel von The Hills wird es auch geben

ANNE WAAK: Wenn Sie jemanden treffen, der Sie nicht kennt, was sagen Sie, wie Sie Ihr Geldverdienen?

SPENCER PRATT: Ich liebe es zu sagen: „I am a crystal dealer“. Der Blick auf den Gesichtern ist immer soviel lustiger, als wenn ich sage: „Ich trete im Reality-TV auf“, oder: „Ich bin Content-Creator“.

AW: Wie fing das an mit Ihnen und den Kristallen?

SP: (Fragt hinter sich in den Raum, wo Heidi mit Gunner beschäftigt ist) Wann hattest du deine Operation, Heidi? (Heidi antwortet) Also 2009 unterzog sich Heidi einer kosmetischen Behandlung und hatte sehr starke Schmerzen. Ich spielte Krankenpfleger, aber die Schmerzmittel wirkten nicht, also googelte ich nach alternativen Methoden. Ich stieß auf Kristalle,ging zu einem Laden hier in der Nähe und kaufte diesen Sugilith. Heidi hielt ihn die ganze Nacht, schlief das erste Mal seit langem durch und wachte ohne Schmerzen auf. Ich dachte nur: Oh Gott, die sind magisch! Ich ging zurück in den Laden und kaufte so ziemlich alle Steine, die sie dort hatten. Ich war sofort überzeugt von ihren Kräften. Heidi verbot mir irgendwann, neue zukaufen. Als ich eines Tages auf einer Kristall-Messe war, traf ich diesen israelischen Künstler, Hovave Rappaport – er ist der Virgil Abloh der Kristallwelt. Wir einigten uns, dass ich 50 seiner Stücke verkaufen und ein paar als Bezahlung behalten sollte. Ich sprach auf Snapchat über die Steine und verkaufte sie innerhalb von zehn Minuten, einfach so über Direktnachrichten und PayPal. Also besorgte ich noch mal 50. Irgendwann war ich bei 200 verkauften Steinen in der Woche und realisierte, dass ich jemanden würde einstellen müssen, der mir mit dem Versand hilft. Das war der Beginn von Pratt Daddy Crystals. In unserem ersten Geschäftsjahr haben wir nur über die Website eine Million Dollar Umsatz gemacht, ich habe viervAngestellte, bald eröffnen wir unseren eigenen Showroom. Als nächstes wollen wir in meinen Lieblingsboutiquen verkaufen, auf der ganzen Welt. Die Steine sind international und genderfluid – es sind Fashion-Pieces. Selbst wenn man nicht an ihre Energie und ihre Heilkräfte glaubt, sehen sie einfach schön aus.

AW: Wie genau funktionieren Heilsteine?

SP: Ich habe in den vergangenen zehn Jahren viel mit Heilern zu tun gehabt und jeder hat seine eigene Version. Aber worin sich alle einig sind: Wir haben verschiedene Chakren überall am Körper und jedes Chakra reagiert auf gewisse Kristalle. Ich halte Kristalle gern an mein drittes Auge und versuche so, eine Verbindung zu ihnen herzustellen. Ich habe sie von Heidi auch schon auf meinen Körper legen lassen. Bei manchen passiert nichts, bei anderen fangen meine Zähne an zukitzeln oder meine Lider beginnen zu flattern. Man brummt vor Energie. Das ist ziemlich abgefahren!

AW: Tragen Sie jeden Tag Kristalle?

SP: Oh ja. Ich betrachte sie als Energieträger, aber auch als Mode, und versuche, sie passend zu meiner Stimmung und zu meinem Outfit zu kombinieren. Heute trage ich einen Ametrin, das ist eine Kombination aus Amethyst und Citrin. Bei den Summen, die ich für Kristalle ausgebe, ist es definitiv besser, sie als Anhänger um den Hals zutragen als in der Tasche, wo sie zerbrechen oder in der Waschmaschine landen. Ich wähle sie intuitiv aus und je nachdem, was mich an dem Tag erwartet. Wenn ich mit zwielichtigen Typen zu tun habe, nehme ich schwarzen Turmalin, wegen der Schutzkräfte. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich mit den Leuten von The Hills zu tun habe, brauche ich extra Liebesenergie und trage Rosenquartz.

AW: Sie haben eben nach all den Jahren eine neue Staffel von The Hills abgedreht.

SP: Es war irre. Ich hatte das Gefühl, dass jetzt alle verstanden hatten, wie toll es ist, reich und berühmt zu sein. Beim letzten Mal schien ich der Einzige gewesen zu sein, der es für das coolste überhaupt hielt, Teil des Casts in einer sehr populären Fernseh-Show zu sein. Wir haben eine zweite Chance bekommen, das passiert nicht so oft. Ich habe jedenfalls alles rausgelassen, no regrets.

AW: Heidi ist auch wieder dabei, richtig?

SP: Ja, ihr Konflikt in der neuen Staffel ist der Versuch, ihr Dasein als Mutter und Fernsehstar in Einklang zu bringen, was ihr sehr schwer fiel. Bevor wir anfingen zu drehen, hatte sie Gunner nicht für eine Minute allein gelassen und wollte das bis dahin auch nicht. Sie ist Anhängerin des Attachment Parenting, das darauf beruht, 24 Stunden für das Kind da zu sein. Abersie hat eine Assistentin engagiert, die sich um das Baby kümmert, und es gab ein paar Zusammenbrüche. Soweit hat alles gut funktioniert.

AW: Zurück zu Ihnen. Stimmt es, dass Sie irgendwann Kristallheiler werden wollen?

SP: Ich betrachte mich schon als ein Heiler, ich habe viel Zeit mit Leuten verbracht, die das seit 20 oder 30 Jahren machen. Ich kann die Energie der Leute spüren und ihnen Steine verschreiben, je nachdem, wonach ihre Aura verlangt.

AW: Welcher Stein hilft bei Geldproblemen?

SP: Citrin. Den versuche ich oft zu tragen, seit ich meine Firma aufbaue. Er hat diese goldene Farbe, bei ihm dreht sich alles um Überfluss. Auch ganz abgesehen davon, dass er mir hilft, Multimillionär zu werden, ist er mein Lieblingsstein.

AW: Sie waren schon mal Millionär. Erinnern Sie sich, wofür Sie all das Geld ausgegeben haben – abgesehen von den 300.000 Dollar für Heidis kosmetische OPs?

SP: Kristalle. Und auch, wenn ich nie danach aussah: Ich habe wahrscheinlich mehr als eine Million Dollar für Designer-Anzüge ausgegeben, die ich dann nie trug, weil ich keine Geschäftstermine hatte, zu denen sie gepasst hätten. Wir haben einfach unser Leben gelebt, bevor es den Hashtag #livingmybestlife überhaupt gab. Wir luden Leute in die schicksten Restaurants in Beverly Hills ein, bestellten Wein für 4.000 Dollar pro Flasche. In L.A. geht das schnell.

AW: Wann wurde Ihnen klar, dass Sie das Geld durchgebracht hatten?

SP: Das muss 2010 gewesen sein, als wir in einer Villa des Four Seasons in Costa Rica lebten .Wir wollten für immer dort bleiben, aber als wir eines Tages auf unsere Konten schauten, merkten wir, dass wir uns das nur noch für eine weitere Woche würden leisten können.

AW: Und dann?

SP: Zum Glück haben meine Eltern ein Strandhaus in Santa Barbara, in das wir ziehen konnten. Dann machte Heidi in einer Sendung namens Famous Food mit,das war ein schöner Scheck, danke VH-1. Dann haben wir bei Celebrity Wife Swap mitgemacht, danke ABC für den schönen Scheck. Anschließend nahmen wir am Marriage Boot Camp teil, das war ein schöner Scheck, danke WE-TV. Danach haben wir Celebrity Big Brother in England mitgemacht, das war ein unglaublicher Scheck, danke auch dafür. Reality-TV hat uns über Jahre am Leben erhalten. Und die Tatsache, dass wir keine Designer mehr gekauft und uns von Tacos und Burritos ernährt haben. Ich habe viel nachgedacht und hatte, als ich nicht mehr reich und berühmt war, auch mit Depressionen zu kämpfen. Heidi nicht, sie ist eine Superheldin. Zum Glück ist sie heute der CEO des Kristall-Business und herrscht über die Finanzen. Sie ist diejenige, die mich stoppt, wenn ich jeden Tag zu Gucci gehen will.

AW: Streiten Sie über Geld?

SP: Wir haben definitiv Auseinandersetzungen,die selbstverständlich sie gewinnt. Obwohl ich ihr immer versuche darzulegen, warum wir zum Beispiel ein Gucci-Fannypack brauchen. Ich meine, es stammte aus der Kinder-Abteilung und kostete nur 420 Dollar.Das war ein sehr gutes Geschäft!

Interview: Anne Waak

Dieser Beitrag erschien in der zehnten Ausgabe der Numéro Homme Berlin #Voodoo.

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