Im Interview: Lauv

 
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Jedem, der regelmäßig das Radio anmacht, wird in den letzten Monaten besonders ein Name nicht entgangen sein: Lauv. Mit seinen Pop-Balladen wie „I’m so tired“ und „Fuck, I’m lonely“ eroberte der Musiker im vergangenen Jahr nicht nur die Herzen junger Mädchen, sondern kämpfte sich auch an die Spitze der Charts. Mit seinen nostalgischen Hits thematisiert Lauv (der eigentlich Ari Staprans Leff heißt), neben Liebeskummer und Herzschmerz, auch seine Depression und versucht so, die Krankheit zu destigmatisieren. 

Im Interview mit Numéro Berlin erzählt Lauv, wie er sich durch die Arbeit an seinem Album „How I’m feeling“ neu kennenlernte und wie ein Fan ihm zu den Lyrics eines Songs verhilf. 

Du veröffentlichst im kommenden Jahr dein erstes Album „How I’m feeling“ – Was erwartet uns? 

Im vergangenen Jahr habe ich eine Playlist veröffentlicht „I met you when I was 18“, da ging es in allen Songs um die Gefühle für eine Frau. In diesem neuen Album kommen viele unterschiedliche Themen zusammen und ich zeige die verschiedenen Seiten meiner Persönlichkeit. Es geht um Liebe, das Internet, mentale Gesundheit aber auch meine Lieblingsbar und meinen Hund. Alles Dinge, die mein Leben betreffen.

Das erklärt auch warum du dich auf dem Albumcover in verschiedenen Charakteren zeigst. 

Genau, es gibt sechs Charaktere, jeder gekennzeichnet durch eine andere Farbe, und dann gibt es mich, so wie ich bin. Das Album heißt „How I’m feeling“ und ehrlich gesagt hat es für mich eine Weile gedauert herauszufinden, wie es mir geht. Ich glaube, dass die eigene Persönlichkeit etwas sehr Komplexes ist. Es gibt viele verschiedene Aspekte an dir, die ausmachen, wer du als Mensch und als Künstler bist. Also habe ich für mich diese sechs Charaktere definiert, die mich als Person ausmachen. Einige davon habe ich auch erst beim Machen des Albums kennengelernt. 

Links: Look BALENCIAGA Rechts: Look DIOR MEN

 

Im letzten Jahr hast du mehrere große Hits wie „I’m so tired“ oder „Fuck, I’m lonely“ veröffentlicht. Wie entstehen deine Songs? 

Es gibt verschiedene Wege: Manchmal spiele ich auf dem Klavier oder mit der Gitarre, bis eine Melodie entsteht, manchmal gehe ich spazieren und mir fällt plötzlich eine Strophe ein, die ich dann schnell in mein Handy spreche oder ich entwickle am Computer einen Beat, aus dem ein Song entsteht. Das Wichtigste für mich ist immer, dass ich nicht darüber nachdenken darf. Ich muss meinen Kopf frei haben. Wenn ich anfange, darüber nachzudenken, was ich mit einem Song aussagen will, funktioniert es nicht mehr.

Deine neueste Veröffentlichung ist ein Song mit der koreanischen Boyband BTS – wie kam diese Kollaboration zustande?

Es ist so verrückt, ich bin immer noch ganz begeistert. Ich höre die Musik von BTS schon sehr lange und weiß, dass die Jungs manchmal Songs von mir auf ihren Konzerten spielen. Als ich die Chance hatte in London zum Konzert zu gehen und sie zu treffen, habe ich mich nicht zweimal bitten lassen. Zuerst war ich supernervös, aber das Treffen verlief gut, wir haben geredet und dann ein Foto zusammen gemacht. Danach wurde ich gefragt, ob ich auf einem Mix ihres Songs „Make it better“ sein möchte. Ich bin direkt am nächsten Tag ins Studio gegangen und habe die Aufnahmen gemacht.

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Nach BTS und Troye Sivan: Mit welchem anderen Musiker würdest du noch gerne kollaborieren? 

Chris Martin von Coldplay wäre ein Traum. Oder Taylor Swift. Ich höre ihre Musik, seit ich 14 war.

Wie der Name deines Albums verrät, sind deine Songs in deinen Gefühlen verwurzelt, welche oft von Liebeskummer und Traurigkeit geprägt sind. Was ist es an traurigen Songs, was dich so dazu hinzieht?

Auf dem neuen Album gibt es auch viele Songs, die nicht traurig sind (lacht). Aber ich habe immer viel traurige Musik gehört, besonders in meiner Teenagerzeit – viel Emo und Hardcore. Es hat etwas sehr Reinigendes, traurige Musik zu hören und diese zu machen. Wenn man glücklich ist, entsteht einfach nicht viel, dann ist man damit beschäftigt glücklich zu sein. Ich habe angefangen Musik zu machen, um mit meiner Traurigkeit und meinen Problemen umzugehen. 

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Du gehst offen mit deinen Problemen um, sprichst viel über Depression und Zwangsstörung und versuchst, diese Themen von ihrem Stigma zu befreien. Für jemanden, der damit zu kämpfen hat, ist es meist nicht leicht, offen darüber zu sprechen. Wie hast du diese Hürde überwunden?

Es hat damit angefangen, dass ich zuerst mal mit mir selbst ehrlich sein musste. Es gab eine Zeit im letzten Jahr in der ich mich sehr schlecht fühlte, aber nicht sagen konnte, woran das liegt. Das ging für eine Weile so, bevor es dann richtig schlimm wurde. Ein Freund von mir, der selbst ähnliche Probleme hatte, hat mich dann ermutigt, mir Hilfe zu suchen. Als es mir dann endlich besser ging und ich wieder klar denken konnte, wurde mir bewusst, dass ich eine Art Vorbild sein kann, für andere die auch mit Depressionen umgehen müssen. So wie es mein Freund für mich war. Ich will Leuten helfen, die dasselbe durchmachen.

Hast du jemals das Gefühl, dass das einen zu großen Druck auf dich auswirkt? 

Manchmal kommen Leute zu mir und bedanken sich dafür, dass ich ihr Leben gerettet habe. So etwas zu hören ist überwältigend, manchmal weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber eigentlich glaube ich, dass sich jeder selbst hilft, vielleicht brauchten sie nur jemanden, der ihnen zeigt, wie es geht. Ich bin dankbar dafür, dass ich Teil von etwas sein kann, das Leuten Sicherheit und Rückhalt bietet.

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Du hast daher auch ein Projekt gestartet „My Blue Thoughts Box“. Was ist das genau? 

Ebenso wie das Schreiben von Musik eine Möglichkeit war, mit meinen Gedanken umzugehen, wollte ich meinen Fans so eine Möglichkeit bieten. Also habe ich vor einigen Jahren angefangen, eine kleine blaue Box auf meinen Konzerten aufzustellen. In diese konnte jeder seine Gedanken und Gefühle verfasst als kleine Notizen hereinwerfen. Sobald ich sah, wie viel Persönliches dort geteilt wurde, wollte ich darauf etwas Größeres machen. Nun gibt es eine Website, die die Notizen mittels Stichworten auf der ganzen Welt miteinander verlinkt, damit man Leute finden kann, denen es ähnlich geht wie einem selbst. Mittlerweile sind aus der kleinen Box mehrere große entstanden, die auf jeder Tour dabei sind. Es ist viel größer geworden, als dass nur ich die Notizen lese oder Leute sich etwas von der Seele schreiben. Vielmehr verbindet es Menschen auf der ganzen Welt.

Welche Notiz ist dir am meisten in Erinnerung geblieben? 

Etwas sehr simples aber sehr poetisches: „I met a superhero. I lost her. I want her back“. Diese Notiz klang einfach nach einem Song, deshalb habe ich daraus einen gemacht. Mein Team und ich haben dann versucht, die Person zu finden, die die Notiz verfasst hat. Nach mehreren Wochen, unzähligen E-Mails und Anrufen später haben wir sie gefunden. Sein Name ist Martin, er kommt aus Deutschland. 

Links: Anzug ASPESI, Rollkragenpullover DUNHILL, Schuhe ALEXANDER MCQUEEN Rechts: Hemd NEIL BARRETT

Fotos: Timothy Schaumburg,  Styling: Fabio Pace, Grooming: Susanna Jonas, Produktion: Julius Salvenmoser, Interview: Pia Ahlert, Lichtassistenz: Kristina Weinhold, Stylingassistenz: Ann-Kathrin Lietz 

Lazoschmidl Frühling/Sommer 2020

ARTISTS  AGAINST PLASTIC  POLLUTION ist eine motivierende Aktion der Berliner Non-Profit-Organisation P L A S TAWAY. 25 international beka …

ARTISTS AGAINST PLASTIC POLLUTION

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