Im Interview: Ho99o9 

09.12.2019, Allgemein Interview
 
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TheOGM und Eaddy scheißen auf Konventionen. Als Ho99o9 spielen sie einen brachialen Mix zwischen Rap und Punk, viel roher als jeder 90er-Jahre Crossover. In New Jersey wachsen sie in der haitianischen Community auf, Voodoo kennen sie aber nur aus dem Film. Ihre Musik dreht sich um „den wahren Horror“ – die Hood und die Probleme dort

Ich habe viel über euch gelesen und so das Gefühl, euren Hintergrund ganz gut zu kennen. Aber vielleicht k.nnt ihr mir etwas über die Zeit erz.hlen, bevor ihr einander traft?

TheOGM: Ich bin in der Hood aufgewachsen. Meine Eltern stammen aus Haiti, sprachen kein Englisch. Einfache, harte Arbeiter. Ich ging zur Schule, fing den n.chstbesten Job an. Tat alles, um mich über Wasser zu halten. Das war’s. In New Jersey gab’s nichts Spannendes. Nichts war cool. Entweder du spielst Basketball, bist ein Genie oder weit, mit Frauen umzugehen. Damit kommst du über die Runden. In New Jersey gibt es nichts. Nur K.lte und Schnee. Schnee schaufeln, arbeiten gehen. Ich bin in Elizabeth aufgewachsen. Mein Bandkollege kommt aus Newark. Bis heute sind beides ziemlich raue Gegenden.

Eaddy: Meine Antwort ist ganz ähnlich. Hast du je den Film New Jersey Drive gesehen? Der ist zur selben Zeit, in derselben Stadt entstanden, in der ich aufgewachsen bin. Schau ihn dir an, dann weißt du Bescheid.

TN: Werde ich tun. Die beiden Städte sind benachbart. Kennt ihr euch über einen gemeinsamen Freundeskreis?

TheOGM: Wir hatten die gleichen Freunde – ein Homie aus meiner Nachbarschaft ging mit ihm zur Schule. Mit dem hing ich ab, wir gingen auf Partys, der ganze Mist halt. So haben wir einander gefunden und von da aus weitergemacht. Das muss 2009/2010 gewesen sein.

TN: Du erwähntest Basketball als Mittel zum überleben. Ihr habt beide gespielt, oder?

TheOGM: Eaddy hat Basketball gespielt. Ich zwar auch – aber nur aus Spa., auf der Straße. Er hat richtig gespielt.

EADDY: Ja, das war jedenfalls der Traum. Der Traum vom Spiel. Am weitesten gebracht habe ich es ans College. Und selbst das war nur ein Semester auf dem Community College. Vom Profi war ich also sehr weit entfernt. überhaupt von jeder Profession.

TN: Aus meiner Recherche habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich Jean (TheOGM) immer stark für die Community eingesetzt hat. Könnt ihr mir etwas über den NJStreetKlan erzählen?

TheOGM: Das war ein Kollektiv, das Eaddy, ich und drei weitere Jungs gegründet haben. Weil in New Jersey einfach nichts los war, fuhren wir ständig nach New York, um Spaß zu haben, auf Konzerte zu gehen oder Ausstellungen zu besuchen. Dort war Eaddy recht früh in Kontakt mit einem Kollektiv namens A.L.I.E.N NYC. Aus dessen lokaler Erweiterung haben wir schließlich den NJStreetKlan entwickelt. Zwar sind wir alle ständig in die Bronx gefahren, nach Queens oder Brooklyn, wo auch immer gerade was los war. Die Kids aus New York hingegen zu uns zu bewegen, war eigentlich unmöglich – und damit eben auch, sie auf uns und andere Künstler aus dem Umfeld aufmerksam zu machen. Der NJStreetKlan bot eine Lösung: Wir holten gr..ere Acts aus New York nach New Jersey und schufen damit eine notwendige Plattform für die Locals. Aus dem Kollektiv entwickelte sich eine ernstzunehmende Szene. Zum Zentrum erklärten wir die Submerge Gallery in Newark; einen weiteren Raum hatten wir in Form des Meatlockers in Montclair. Den gibt es bis heute.

TN:Vor Kurzem habt ihr Fotos eines eurer Gigs dort geteilt. Weit zurück liegt euer letzter Gig dort also nicht?

EADDY: Im Meatlocker gespielt haben wir zuletzt vor knapp drei Jahren, das ist aber noch genau so unser Revierwie damals das Submerge. Beide berüchtigt für Abriss. NJStreetKlan war eine Plattform für unsere Crew in New Jersey – Leute, die geh.rt werden wollten, aber schlicht nicht konnten. Die keine Shows bekamen, nicht mit gewissen Künstlern oder Produzenten arbeiten konnten. Ihnen haben wir diese Infrastruktur geschaffen und eine Fläche geboten.

TN: Stammen aus dieser Zeit Bekanntschaften, die noch heute eine Rolle für euch spielen?

TheOGM: Ja und nein. Ich will nicht andeuten, dass wir über irgendwas hinausgewachsen sind. Nur hat einfach jeder seine eigene Richtung eingeschlagen. Natürlich haben wir einen Haufen Leute kennengelernt. Brock Fetch zum Beispiel, den Fotografen, mit dem wir heute wohl am Engsten zusammenarbeiten. Wir haben schon früh seine Ausstellungen besucht und wurden irgendwann Freunde. Ohne diese Szene wäre das kaum geschehen. Ob sich aber eine gemeinsame Arbeit ergibt, hängt immer davon ab, in welcher Form man einander wieder begegnet. Sehe ich wen cooles Zeug machen, muss ich nicht automatisch mit ihm arbeiten. Das wäre erzwungen. Aber wenn’s passt, passt es.

TN: Was haltet ihr denn grundsätzlich von Kollaboration?

EADDY: Kollaboration an sich ist schon spannend. Gerade bei uns hängt sie aber stark von der Situation ab. Wer ist dabei, wie hört es sich an? Woher stammt die Idee, wohin führt sie? Wir sind extrem wählerisch, was das betrifft. Einfach so machen wir überhaupt nichts.

TheOGM: Wobei für die nahe Zukunft schon einige Collabs anstehen. Namen zu nennen, ist nur gerade etwas schwierig – mit Leuten, die nicht direkt zu unserem Camp gehören, experimentieren wir nämlich häufig erst einmal nur.

TN: Wie ist übrigens das Shoot gelaufen?

EADDY: Wirklich sehr gut. In der Tat einer meiner Favoriten bislang, eines unserer besten Shoots überhaupt.

TheOGM: Ich hasse Shoots für gewöhnlich. Ich hasse es, länger als eine halbe Stunde Kameras in die Fresse gehalten zu bekommen. Ich hasse diese Scheiße. Sind’s dann auch noch gleich fünf oder sechs Stunden, werde ich echt wahnsinnig. An dem Tag aber war alles total entspannt. Alle waren locker, das Set war cool, jeder hat seinen Job gemacht, alle waren voll dabei. In keiner Form erzwungen – auch die Looks nicht.

TN:Thema des Shoots und dieser Ausgabe ist Voodoo – zu welchem ich in eurem Schaffen viele Parallelen erkenne. Jean, deine Eltern stammen aus Haiti. Hast du einen erweiterten, haitianischen Freundeskreis?

TheOGM: Aus ganz anderen Richtungen meinst du? Auf jeden Fall, gerade zuhause in New Jersey. In Los Angeles habe ich weniger haitianische Freunde. Dort gibt es wesentlich weniger Haitianer. Bin ich aber mal zuhause, habe ich ein ganzes Heer von Leuten, mit denen ich zur Schule gegangen bin und die ich nach wie vor zu meinen Freunden zähle. Die machen dort weiterhin einfach ihr Ding. Natürlich in einer besseren Stellung als damals. Meine Familie ist dort, meine Mutter, meine Schwester, meine Familie ist noch da. Ich bin auf jeden Fall weiterhin bestens verbunden.

TN: Im vollen Bewusstsein, stark voreingenommen zu klingen: Einen persönlichen Bezug zum Voodoo hast du wohl kaum? Über das Genre des Horrorfilms hinaus.

TheOGM: Tatsächlich ist er ein Ausgangspunkt. Seine Rolle in haitianischer Kultur ist durchaus legitim. Davon abgesehen setze ich mich wenig mit dem Thema auseinander. Ich weiß von seiner Existenz. Ich sage keineswegs, dass Voodoo nicht existiert. Mit Ho99o9 konzentrieren wir uns aber auf die Um- und Missst.nde des Alltags. Ich spreche von der Scheße, die mich umgibt, die ich in der Hood sehe. Ho99o9 baut auf den echten Leiden des Lebens auf – absolut nichts zu haben, polizeiliche Übergriffe, Politiker, die uns Illusionen verkaufen. Lügenpropheten, Pastoren, die sich nach der Predigt an kleinen Jungs vergreifen. Ich rede von der Schei.e, die ich gesehen und erlebt habe, erzähle die Geschichten meiner Homies. Das ist wahrer Horror.

TN: In eurer Ästhetik meine ich dennoch eine gewisse Nähe zum Genre zu erkennen?

EADDY: Aber Kunst musst du daraus eben erst machen. Ich mag Halloween, mag Horrorfilme. Ich weiß gar nicht, ob ihr in Deutschland überhaupt Halloween feiert. In Amerika ist es jedes Mal ein Scheißspektakel, wenn Halloween vor der Tür steht. Mir gefällt Horror als übergreifendes Genre: Eine der ersten Punkbands, die ich wirklich gefeiert habe, waren die Misfits. Das ist alles sehr schlüssig für mich.

TN: Tatsächlich auch eines meiner ersten Konzerte. Da war ich vierzehn.

TheOGM: Sick.

EADDY: Krass. Aber mit welcher Besetzung? Hast du sie mit Danzig gesehen?

TheOGM: Leider nur mit Jerry Only als Frontmann.

EADDY: Nicht dein Ernst! Ich sterbe gerade ein bisschen. Mit Jerry hab ich sie auch gesehen. Aber eben auch mit Danzig. Nimm das.

TheOGM: Wo wir gerade beim Horror-Thema sind … Klar mögen wir Horrorfilme, aber noch mehr mögen wir deren Regisseure. Unsere Songs sind oft sehr bildlich. Macht nun ein Regisseur wie Rob Zombie einen Film, empört sich niemand, wenn dieser Alten der Kopf abgeschnitten wird. Hacken wir aber jemandem in einem Song den Schwanz ab, geht das gar nicht. Dabei verstehe mich auf eine Art als Regisseur, als Autor, ich erzähle schließlich Geschichten. Manches ist zwar weniger bildlich oder offensichtlich, doch erwarte ich von den Leuten ein gewisses Urteilsvermögen, wahre Begebenheiten von bloßen Illustrationen unterscheiden zu können. Was ist denn los mit denen?

TN: Auch eure Musik selbst stellt Fragen nach Moral – ein gewisser politischer Unterton lässt sich kaum leugnen. Aus welchem Grund sprecht ihr kein Thema direkt an?

EADDY: Wir sind keine Politiker. Dinge eben nicht direkt anzusprechen ist unsere eigene Form der Anarchie. Wie kann irgendwer solche Äußerungen überhaupt noch verlangen? 1970 liegt in der Vergangenheit. 1988 auch – wir leben nicht mehr in besetzten Häusern. Gegen dieselben Missstände werden wir also kaum rebellieren. Die Dinge haben sich verändert, es ist 2019. Wir vertreten unseren persönlichen Aufstand, unsere eigene Anarchie, schildern die Story aus unserer Sicht. Ich bin unfähig, die ganze Scheiße auf meiner Timeline überhaupt noch zu verfolgen. Setze ich mich zu sehr damit auseinander, explodiert mein Kopf – ich widme diesem ganzen Mist also keinen allzu großen Teil meiner Zeit. Die ganze Scheiße laugt mich aus.

TheOGM: Ich würde sagen, wir beziehen weniger spezifisch Stellung. Schließlich wollen wir den Leuten nichts eintrichtern. Außer, einander zu lieben und für alles einzutreten, woran sie glauben. Im Guten. Amerika ist rassistisch, noch immer, sehr. Wir kämpfen für die Gleichheit aller. Was aber Direktheit anbelangt: Wir haben doch auch keine Antwort! Noch könnten wir behaupten, dass wir besser wären. Du siehst unseren aktuellen Präsidenten. Diese Hurensöhne, die für ihn gestimmt haben, haben schlicht keinen Grund, jetzt zu heulen. Genau dazu habe ich nichts zu sagen. Mit Sicherheit kann ich lediglich sagen, dass Musik und Kunst unsere Plattformen sind. Daraus machen wir das Beste. Andere nehmen an Demonstrationen teil. Das ist nicht unsere Art. Wenn es aber deren Ding ist, sollen sie es machen. Cool, weiter so. Wieder andere führen ihren Kampf im Amt. Wo dein Kampf liegt, ist egal, solange sie ihn zu spüren bekommen. Aber darüber muss ich doch nicht sprechen. Sowieso ist es heute so, dass dich einfach jeder Kommentar im Internet an den Marterpfahl bringt. Dann ist es aus mit dir, die hängen dich. Auch darum mag ich keine direkte Position beziehen.

Eaddy: Rock ’n’ Roll ist tot. Wo Provokation einst zum Dialog führte, bringt dir jede klare Meinungsäußerung heute nur noch Anfeindungen ein.

TN: Immerhin gew.hrt Ambivalenz mehr Hörern Zugang zu eurer Musik. Hat Einigkeit für euch einen besonderen Stellenwert? Schließlich ist sie das Hauptmotiv des Hardcore-Genres, zu dem ihr gehört.

EADDY: Genau sie ist unser Motto. Mindestens seit New Jersey.

TN: Für den Hardcore-Stempel spricht ebenfalls eure schonungslose Energie. Ein ständig wachsender Teil unseres Alltags ereignet sich online. Holt ihr euer Publikum mit Gewalt zurück in die Realität?

EADDY: Auf jeden Fall. Unsere Musik herunterzuladen und nur zu hören ist eine Sache. Wie du schon sagst: jeder ist ständig am Handy oder Computer. Wer aber zur Show kommt, spürt, er ist eins mit allen anderen. Unabhängig von Hautfarbe, Kleidung oder Vorlieben. Ernährung: vegan oder eben nicht. Alle kommen, um die selbe Show zu erleben. Nur darum geht‘s.

NH: An wachsendem Stellenwert gewinnt auch Wettbewerb. Wie steht ihr ihm gegenüber?

TheOGM: Gesunden Wettbewerb schätze ich sehr. Solange niemand dem anderen die Kehle durchschneidet, um dessen Platz einzunehmen. Des anderen Erfolg sollte dein Ansporn sein. Das ist die Motivation, dein Ding in den Griff zu bekommen – was auch immer das sein mag. Mach niemandem das Leben schwer. Ich mag gesunde Competition und genau das ist der Film, den wir gerade fahren. Ich liebe wirklich jeden. Doch genau so habe ich diese Haltung, die mir sagt: Mach sie alle kaputt. Alle Künstler, alle Mitstreiter. Mir scheißegal, Rapper, Bands, fick sie alle, ich will Blut sehen. Ich liebe sie, liebe sie alle. Wir hören alles und jeden, gleichzeitig wollen wir sie alle machen. So läuft’s.

TN: Worin besteht der Wert von Performance für euch? Darin steckt bei euch so viel Energie, so viel Gewalt, ihr schwingt euch nackt durchs Publikum. Ist sie für euch eher Plattform oder Befreiung?

EADDY: Performance ist schon eine riesige Befreiung. Vielleicht die größte. Jedes Mal. Darin steckt viel spirituelle Energie. Manchmal bin ich echt überwältigt. Aber genau so ist sie eine Plattform.

TheOGM: Es kann überwältigend sein. Wenn wir als Headliner auftreten und wissen, die Crowd ist wegen uns da. Die wollen Abriss. Bei dieser umwerfenden Energie musst du einfach eine gute Show liefern. Eröffnen wir aber für eine größere Band oder spielen in einer neuen Stadt, kennen wir uns dieser Energie kaum sicher sein. Gemischte Erwartungen. Mit dieser Ungewissheit gehen wir dann auf die Bühne, sagen aber gleichzeitig: Fick sie alle. Wir machen sie fertig. Das ist unser Antrieb.

TN: Ihr erlebt also noch immer die unterschiedlichsten Reaktionen?

EADDY: Fuck yeah. Da gibt’s riesige Unterschiede.

TheOGM: Kommst du zu einer Ho99o9-Show, weißt du was dich erwartet. Das ist pures Chaos von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ekstase, Spaß, die Show ist alles, ein scheiß Erlebnis. Ist die Crowd aber nicht unsere, können die am Ende schon verwirrt dastehen. Eingeschüchtert. Ratlos.

TN: Was bedeutet euch das Touren?

TheOGM: Alles. Wir kriegen all diese Orte zu sehen, verschiedenste Kulturen und Lebensweisen. Die Geschichte dieser Städte. Wieder die ganz eigene Energie der jeweiligen Crowd. 300 oder mehr Leute in einem Raum. Das Erlebnis reiner, geballter Menschlichkeit. Die Leben dieser Menschen auf eine bestimmte Art zu berühren, ist eine wahnsinnig spirituelle Erfahrung. Wir sind dankbar, die Welt bereisen zu können und unsere Musik und Message zu verbreiten. Ich glaub nicht, dass einer von uns beiden in New Jersey geträumt hätte, einmal vor 500 oder 600 Leuten in London zu spielen. Oder in Berlin oder Polen.

EADDY: Japan, Russland. Wir waren an Orten, wo ich mich echt gefragt habe, was ich dort eigentlich verloren habe?

TheOGM: Reisen fühlt sich sehr gut an.

TN: Es wirkt fast, als seid ihr konstant auf Tour? Jetzt steht die nächste in Europa an.

TheOGM: Ja, dieses Jahr wird ziemlich krass für uns. Wir haben uns eine Pause von zwei Monaten geg.nnt, um an neuer Musik zu arbeiten. Und uns zu sortieren. Den Rest des Frühlings und Sommers aber sind wir unterwegs. Den Rest des Jahres eigentlich, vom 15. bis zum 17. April wieder in Deutschland. Kommt zu uns.

TN: Wie verbringt ihr eure Zeit außerhalb der Band, habt ihr Projekte neben Ho99o9?

TheOGM: Nein. Also in irgendeiner Form arbeiten wir schon ständig an den unterschiedlichsten Dingen: Musik, Kunst – und sei es manchmal nur zum Zeitvertreib. Ho99o9 hat absolute Priorität. Wir haben Ziele. Squad goals. Nur das. Aber dann gibt‘s noch die ganzen anderen Homies, Projekte um Ho99o9 herum. Gnarly zum Beispiel arbeitet an seinem Kate-Mo$$-Projekt – einer Punk-Band im weitesten Sinn. Im vergangenen Jahr haben wir sie mit uns auf Tour durch Europa und das Vereinigte Königreich genommen. Er macht sein Ding. Dann mein Freund Kush, der auch Musik macht. Wir haben so viele Leute um uns herum, die alle an was Eigenem arbeiten. Für uns aber, für mich, ihn – und unseren Live- Drummer – Brandon steht Ho99o9 absolut im Fokus. Und sonst nichts. Wir wollen zerstören. Fick alles andere.

TN: Ihr sprecht viel von Kunst. Zum Paket von Ho99o9 gehört auch Merchandise?

TheOGM: Ja, sicher. Ich seh gerne sexy aus und ich will, dass meine Fans auch sexy aussehen. Auch das machen wir alles selbst, inklusive der grafischen Arbeiten.

TN: Über Twitter habe ich eine gewisse Nähe zum Rapper Lil B ausmachen können, ihr seid auf einem Foto mit Lil Ugly Mane zu sehen. Dienen euch andere Rapper als Inspiration?

TheOGM: Inspiration? Niemand von denen inspiriert mich. Ich mag ihre Musik, das sind coole Leute. Aber in Sachen Inspiration? Deren Scheiße nimmt mir eher die eigene Inspiration. Mich inspiriert, was sie eben nicht machen. Inception shit. Alles, was sie nicht machen, führt mich zu dem, was ich tue. Genau das zeigt mir den Weg.

TN: Das erinnert mich ein wenig an das Verhältnis zu meinen Eltern.

TheOGM: Alter. Genau das ist der Punkt! Die Scheiße, die meine Eltern gemacht haben, war eben das, was ich nie wollte. Darum mache ich alles. Das ist überhaupt meine größte Inspiration: meine Eltern. Meine Erziehung, wie ich aufgewachsen bin mit denen.

EADDY: Darum sind wir Ho99o9. Darum haben wir diesen Weg eingeschlagen. Weil ihr Weg nichts taugt

Text: Tim Neugebauer

Fotos: Charlotte Rutherford

Dieser Beitrag erschien in der neunten Ausgabe der Numéro Homme Berlin.

 

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