Im Interview: Noah & Elias Becker

30.12.2019, Allgemein Interview
 
 
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Die Brüder Noah und Elias Becker leben getrennt voneinander in zwei europäischen  Städten. Trotz Entfernung halten sie engen Kontakt. Für ein Shoot mit Fendi trafen wir die beiden in London, wo Elias lebt. Mit Noah haben wir über die Beziehung zu seinem Bruder und sein Leben in Berlin gesprochen. Und darüber, was Heldentum bedeute

NB: Wie oft telefonierst du mit Elias?

N: Ein paar Mal die Woche. Ich rufe ihn öfter an als er mich. Er ist meistens nicht besonders kommunikativ am Telefon. Vor allem, wenn wir texten. Es ist oft schwierig, ihn aus der Reserve zu locken. Kennst du die Leute, die auf Fragen immer nur mit einem Wort antworten?

NB: Auf jeden Fall!

N: Wenn ich frage: Wie geht es dir?, antwortet er: gut. Sehr kurz angebunden, so ist das mit Elias. Aber wenn wir uns sehen, ist das anders. Dann ist es einfach nur schön. Konkurrenz unter Brüdern, kennst du das? Als wir jünger waren, gab es das auch bei uns. Dann haben wir uns öfter mal gestritten, aber das ist wahrscheinlich normal in dem Alter. Mittlerweile haben wir ein sehr gutes Verhältnis und sind jetzt einfach nur stolz aufeinander.

NB: Was schätzt du besonders an Elias?

N: Dass er ein Denker ist. Er sieht aus wie ein Model, aber er ist sehr tiefsinnig. Er denkt über alles nach, was er tut, und ist ganz vorsichtig mit den Dingen im Leben. Er hat eine ganz tiefe Art und Weise. Ich glaube, mit der Zeit wird das noch mehr wachsen und reifen durch Erfahrung. Ich bin ziemlich beeindruckt von seiner Karriere. Ich freue mich auch schon darauf, mehr Zeit mit ihm zu verbringen,  wenn wir älter sind. Ich wollte immer so einen Bruder haben, der wie ein Freund ist Fünf Jahre sind ein großer Unterschied, wenn man jünger ist.

NB: Ja, wenn man älter wird, gleicht sich das an. In Berlin bist du ja auch als DJ unterwegs …

N: Eigentlich eher wenig. Ich spiele live mit meiner Band. Das weiß aber kaum jemand.

NB: Jetzt wissen es vielleicht bald mehr. Wie heißt die Band?

N: Meine Band heißt Bakery. Erst habe ich nur Beats produziert. Dann kamen irgendwie immer mehr Leute zusammen. Irgendwann waren wir eine Band. Wir bewegen uns in einem riesigen Kollektiv, das wiederum aus mehreren Bands besteht. Innerhalb dieses Kollektivs spielen wir ganz organisch in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Unsere Auftritte sind wie Theaterstücke. Ich spiele Bass und Schlagzeug. Vor allem aber bin ich Produzent. Mit Bakery bringen wir bald unser zweites Album raus, gibt’s dann auch auf Spotify.

NB: Wo spielst du mit deiner Band? Auf Festivals wie Fusion oder Garbicz. Auch in besonderen Berliner Locations, wie dem Funkhaus oder im Planetarium. Bei uns zu Hause geben wir einmal im Monat ein Konzert. Mini-Raves sind das, wir haben eine sehr gute Musikanlage.

NB: Was sagen die Nachbarn?

N: Damit haben wir keine Probleme. Das ist so ein alter Gewerbekomplex, den bauen wir gerade um. Das ist wie eine kleine Künstlerkolonie. Da leben Schauspieler, Musiker, Fotografen, Künstler. Das Haus heißt Baketown.

NB: Du malst ja auch …

N: Ja, schon lange. Mit Acryl, Öl, Kreide – eigentlich benutze ich alles, was so rumliegt. Manchmal auch Nagellack.

NB: Welche Motive interessieren dich?

N: Zum Beispiel der Weg von meiner Oma zu mir. Die Straße, die Häuser, Edeka. Gegenden, in denen ich mich aufhalte, oft Berlin. Die Bilder verinnerliche ich und male sie dann aus dem Gedächtnis, wenn ich im Atelier bin. Ich nenne die Bilder‚ abstrakte Landschaften’. Malen ist meine Therapie, im Prinzip wie Yoga für andere Leute.

NB: Was denkst du über den Stil der Berliner?

N: Da bewegt sich gerade einiges. Schon lustig, wenn ich hier manchmal auf eine Party gehe und alle sehen so aus, als ob sie direkt vom Sport kommen. Und sie tragen alle die Klamotten von berühmten Spielern, die sie gar nicht kennen!

NB: Gibt es jemanden, den du als deinen Helden bezeichnen würdest?

N: Ich habe das Glück, mehrere Helden zu kennen. Einer ist Jona Cerwinske, ein Graffiti-Künstler aus Miami. Ich erinnere mich noch genau an den Geruch der Spray-Paint in seinem Atelier. Bei ihm zu sein hat mich immer sehr inspiriert. Ein anderer Held ist der Musiker Lenny Ibizarre, der auf Ibiza lebt. Er hat mir viel über das Produzieren beigebracht, als ich 16 bis 18 Jahre alt war. Er ist auch so ein Freak! Er betreibt seine eigene Landwirtschaft und macht nur Beats den ganzen Tag. Ich war gerade erst wieder bei ihm. Aber ein Held ist für mich natürlich auch mein Vater. Und Lenny Kravitz.

NB: Mit was würdest du gern als Held in die Geschichte eingehen?

N: Schwierige Frage. Ich würde gern ein Held für meinen Bruder sein. Für ihn da sein, wenn er mich braucht. Ich habe viele Idole von mir getroffen, die eher eine Enttäuschung waren, weil sie sehr mit ihrem eigenen Ego beschäftigt waren und keine Motivation hatten, als Mentor zu fungieren. So möchte ich nicht sein. Elias ist am Telefon immer sehr kurz angebunden. Aber wenn wir uns sehen, ist das anders. Dann ist es einfach nur schön

Interview Sabine Röthig

Fotos Dexter Lander

Dieser Beitrag erschien in der neunten Ausgabe der Numéro Homme Berlin.

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