CELINE Stores werden zu Kunstgalerien

27.03.2020, Architektur Kunst
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Derzeit sind wir wohl alle weit davon entfernt, gemütlich durch Boutiquen zu schlendern. Doch es wird eine Zeit nach dem Sturm geben und wenn es soweit ist, ist es hilfreich zu wissen, worauf man sich freuen kann: Wir empfehlen einen Ausflug in den nächsten Celine Store.

 

Über die letzten Monate verpasste niemand geringeres als Kreativdirektor Hedi Slimane höchstpersönlich bereits  15 Celine Stores weltweit ein neues Gesicht. Der Designer, der in der Vergangenheit eher für seine Kooperationen mit Musikern bekannt war, rückt nun die Moderne Kunst in den Fokus und stattete seine Stores mit speziell ausgesuchten Kunstwerken und neuem Interieur aus. Für das „Art Project“ erstand Slimane gleich 42 Kunstwerke, die teilweise eingekauft, teilweise in Auftrag gegeben wurden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Skulpturen von jungen Künstlern, aber auch solchen, die bereits eine steile Karriere hingelegt haben.

 

Nun werden einige, völlig zu Recht, sagen: Kunst in ein Modegeschäft zu integrieren? Das ist nun wirklich nichts Neues! Was unterscheidet also Celines Kunstprojekt von – sagen wir – Louis Vuittons Flagship Store in Florenz gefüllt mit Werken von Osvaldo Medici del Vascello und Massimo Listri? Abgesehen vom Umfang des Projektes, das nicht nur einen, sondern gleich 15 Stores umfasst, ist die Antwort einfach: Hedi Slimane. Um das Projekt besser greifen zu können, kommt man nicht umher, sich kurz mit dem Kreativdirektor selbst auseinanderzusetzen.

 

Was bei Hedi Slimanes erfolgreicher Karriere als Modedesigner schnell vergessen wird, ist, dass er mit seiner Fotografie selbst als Künstler gefeiert wird. Seine Fotografien waren bereits in zahlreichen Ausstellungen, beispielsweise im MOCA in Los Angeles oder dem MoMA in New York, zu sehen. Er fotografierte für Titel wie die französische Vogue oder Purple, ganz zu schweigen von seinen erfolgreichen Werbekampagnen für Saint Laurent und Celine. Ende der 80er Jahre studierte Slimane Kunstgeschichte an der École du Louvre und ließ sich schon immer stark von pop-kulturellen Szenen beeinflussen. Obwohl seine Ästhetik einen großen Wiedererkennungswert hat – lean, sharp und rock’n’roll – hatte Slimane immer auch ein offenes Auge für andere Künstler und Stile. Slimane ist Kunstsammler, der sich weniger für Marktwerte interessiert. Regelmäßig dreht er seine Runden auf Kunstmessen und besucht nicht selten Galerien in New York oder Los Angeles. Wer also, wenn nicht er selbst, wäre besser geeignet für die Umsetzung seines Art Projects?

 

Der Fokus der Kunstwerke liegt auf post-minimalistischen Werken. Das Projekt umschließt 33 Maler und Bildhauer von Newcomern, wie Shawn Kuruneru, bis zu bekannten Namen wie Theaster Gates. Viele der Arbeiten, die Slimane in Auftrag gegeben hat, sind etwas grober und fast schon architektonisch und stehen im Kontrast zu der feinen luxuriösen Kleidung. Obwohl alle Läden diese spezielle Slimane-Ästhetik gemeinsam haben, sind sie doch individuell. Bei der Gestaltung schenkte der Designer der jeweiligen Location viel Aufmerksamkeit und nahm Bezug auf die Geschichte des Gebäudes. Er selbst bestimmte, welches Kunstwerk wo hängen soll und gab jedem einzelnen Möbelstück seinen Platz. Er integrierte vor allem Vintage-Stücke, sowie aber auch schlichte, moderne Stühle, die er selbst designt hat. Das „Art Project“ spiegelt vor allem die Ikonografie Slimanes wider, behält dabei aber auch den Pariser Neoklassizismus Celines bei.

 

 

Während Slimane für Saint Laurent eher modernistische und monumentale Stores gestaltet hat, wollte er für Celine eher etwas Intimeres. Der Einsatz von Edelstahl und schwarzem Granit wirkt zunächst zwar etwas brutal, wird aber aufgefangen von cremefarbenen Wänden und Holz. Es gibt Stühle zum Sitzen, Bücher zum Lesen, Leute zum Unterhalten, Musik und eben Kunst. Wie der Aufwand verraten lässt, sind die Geschäfte nicht nur als Orte gedacht, an denen man Kleidung kaufen kann, sondern auch als Salons, mit kulturellem Angebot, in denen man einfach abhängt. Ziel ist es, neue Talente zu entdecken und eine Gemeinschaft zu kreieren, die ähnliche Einstellungen und einen gemeinsamen Sinn für Ästhetik teilt. Wo Musik, Design, Kunst und Mode alle ihre eigene Sichtweise auf die Welt ausdrücken können.

Über die nächsten Monate sollen noch zahlreiche weitere Stores umgestaltet werden. Hier eine Liste der bisher vollendeten Geschäfte und wessen Werke in ihnen zu sehen sind:

 

PARIS FRANCOIS 1ER

DAVID ADAMO

RINDON JOHNSON

 

PARIS MONTAIGNE

DAVID ADAMO

SHAWN KURUNERU

DAVID NASH
LOS

DAVINA SEMO

 

PARIS BON MARCHÉ

DAVID ADAMO

 

PARIS DUPHOT

KATINKA BOCK

GEORGIA DICKIE

HU XIAOYUAN

 

PARIS GRENELLE

THEASTER GATES

SHAWN KURUNERU

OSCAR TUAZON

 

PARIS PARFUM ST HONORÉ

LUISA GARDINI

ROCHELLE GOLDBERG

CAMILLA REYMAN

SØREN SEJR

 

MILAN SANTO SPIRITO

LUKAS GERONIMAS

MARIE LUND

 

LONDON MOUNT STREET

LUCAS GERONIMAS

TIRIL HASSELKNIPPE

DAVID JABLONOWSKI

FAYRAY

 

LONDON BOND STREET

ELI PING

 

NEW YORK MADISON

JAMES BALMFORTH

JOSE DAVILA

 

YORK SOHO

CHARLES HARLAN
NEW

ARTUR LESCHER

LUCAS MONTERASTELLI

VIRGINIA OVERTON

 

ANGELES RODEO DRIVE

DAVID NASH
LOS

VIRGINIA OVERTON

 

MELBOURNE COLLINS STREET

FAY RAY

LEUNORA SALIHU

 

BEIJING CHINA WORLD

PALOMA BOSQUÊ

KIRA FREIJE

PAUL GEES

MA QIUSHA

FAY RAY

EM ROONEY

 

TOKYO OMOTESANDO

ELAINE CAMERON-WEIR

 

Bilder: Celine PR 

Text: Ann-Kathrin Lietz

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